Film: One more time with feeling

Edit: Dieser Blogartikel ist mein Beitrag zur Aktion „Alle reden über Trauer“. Siehe mehr dazu am Ende des Beitrags.

Der Film „One more time with feeling“ ist ein Making-of zum neuen Album von Nick Cave  “Skeleton Tree”.  Nick Cave arbeitet gerade an seinem neuen Album, als sein 15-jähriger Sohn Arthur stirbt. Der Film soll, so wirkt es, zeigen, wieso das Album so geworden ist, für Nick Cave ungewöhnlich unfertig und ungeschliffen. Er will sich seinem Publikum erklären, ohne sich jedoch ihm unbekannten Medienleuten zu stellen, und deren Fragen zu seinen Songs und seinem Privatleben zu beantworten.

Es ist zwar kein Film, der viel Handlung hat, aber falls du dir deine eigene Meinung bilden willst, hier könnten SPOILER SPOILER SPOILER sein.

Nick Caves Sohn stirbt. Er und seine Familie leben weiter. Nick Cave (warum auch nicht) ist mit denselben Themen konfrontiert, wie so viele Trauernde. Er kann jedoch mit diesen Themen auch in der Musik Ausdruck finden. Obwohl die Songs teilweise bereits vor dem Tod seines Sohnes geschrieben wurden und seltsamer Weise vorhersehend wirken. Die Textstelle „You fell from the sky and crashed in a field near the river Adur“ bezieht sich, so lässt sich vermuten, darauf, dass sein Sohn in den Klippen bei Brighton tödlich verunglückt ist. Aber der Refrain „with my voice i am calling you“ macht das Lied sowieso zum #griefsoundtrack.

Er will in diesen traumatischen Ereignissen eine Erzählung finden, die ihm Orientierung bietet. Ist es überhaupt machbar, einen künstlerischen Umgang zu finden? Worte zu finden, die ihm das Geschehene begreifbar und vielleicht auch anderen zugänglich machen, ist unmöglich. Es ist doch alles nur Blödsinn, was ich sage, gibt er zu bedenken. Ihm, dem poetischen Sprachkünstler, fehlen die Worte, obwohl es so wirkt, als würde er gerade um diesen Ausdruck ringen. Ein Trauma, wie er es nennt, ist eine Katastrophe für den kreativen Prozess. Und stellt damit auch ihn als Künstler in Frage. Er sei alt geworden, alles (in Hinblick auf die Kunst) fällt ihm schwerer.

Er hat keine Weisheiten, keine Plattitüden parat, damit wir diese eigentlich unzumutbare Wendung des Schicksals annehmen können. Die Phrase „Er lebt in unseren Herzen weiter“. Wie so oft, mit diesen Sprüchen von Außenstehenden ist wenig anzufangen. Ja, er ist in unserem Herzen, aber er lebt einfach nicht mehr. Das Einzige, das okay ist, ist das nichts okay ist. Das nicht okay sein auch okay sein muss. Die Welt bleibt nicht stehen, alles herum läuft weiter. Vielleicht auch okay. Es wird weitere Platten, weitere Musik geben, solang das Publikum will. Aber alles ist anders.

Der Film zeigt einen Mann und seine Familie im Schmerz. Nicht in diesem akuten Schmerz der ersten Wochen und Monate, sondern einen Schmerz, der sich in das Leben integriert hat. Wenn man nach außen wieder funktioniert und sein Leben weiterführen kann. Aber niemals wird er wie früher sein. Menschen möchten sich nicht verändern. Warum auch? Und wenn dann zu einer besseren Version von uns selbst. Ein Ereignis, wie dieses, eine persönliche Katastrophe verändert einen ohne dass man selbst darauf Einfluss hat. Es kann einen so verändern, dass man sich selbst nicht wiedererkennt. Wer bin ich jetzt? Was mache ich jetzt? Erstmal einfach weitermachen, wie bisher?

Der Film zeigt einen Mann, der trauert. Wie jede/r von uns, auf seine ganz eigene, individuelle Weise. Der Film zeigt das ehrlich, nicht entblößend. Die Untiefen der Trauer und des Schmerzes bleiben uns verborgen (außer in der Szene, wo Susie das Bild zeigt, das Arthur einst von den Klippen gemalt hat, von denen er in den Tod gestürzt ist). Aber dennoch spürt man diese Welterschüttertheit. Aber alles in allem auch eine Friedlichkeit. Wir, Susie und ich, sagt Nick Cave, haben beschlossen wieder glücklich zu sein. Als Trotz und Rache sozusagen.

Wenn er dann zum Schluss den Refrain singt „It’s all right now”, hat man das Gefühl, er hadert. Wahrscheinlich ist es einfach beides: all right und einfach überhaupt nicht okay.

Nachtrag

Ich nehme mit meinem Blog an der Aktion „Alle reden über Trauer“ teil, die von Silke von der Seite In lauter Trauer zum Geburtstag ihres Freunds initiiert wurde. Alles Gute, Julian!

Ich habe diese Aktion genutzt, um den Schritt zu wagen, den Blog öffentlich zu schalten. Danke, liebe Silke, für diese Möglichkeit! Diesen Beitrag habe ich gewählt, weil er mir bisher der liebste ist.

Alle reden über Trauer (C) in lauter trauer

Alle reden über Trauer
(C) in lauter trauer

 

 

 

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